Herz-Erleben und Bauch-Erleben (mp3)

Aus dem Achtsamkeitstraining online: Die meisten von uns erleben die Welt vom Kopf aus. Dort finden sich all unsere Sinne: Sehen, Hören, Riechen und Schmecken finden wir im Kopf, und auch Denken siedeln die meisten Menschen dort an.

Nur Fühlen ist im ganzen Organismus.

In diesen beiden Achtsamkeitsübungen (oder geführten Meditationen) erkunden wir andere Arten des Erlebens:

aus dem Herzen und vom Bauch aus. 

zum Text der geführten Meditation: Herz-Erleben

zum Text der geführten Meditation: Bauch-Erleben
 

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Text der geführten Meditation: Herz-Erleben

 

Der Kopf

Wir wissen wie das ist, wenn die Aufmerksamkeit hauptsächlich im Kopfbereich ist. Das ist für uns auch sehr gewohnt, denn da sind halt eine Menge Sinnesorgane. Da ist das Riechen, da ist das Hören, da ist das Sehen, da ist das Schmecken, Fühlen ... Alles, alle unsere Sinne sind auch hier. Und in den Knien zum Beispiel ist deutlich weniger: Da riechen wir nichts, da schmecken wir nichts, da sehen wir nichts – da ist nur Fühlen.

Nehmen wir uns einen Moment Zeit, um wirklich bewusst im Kopf zu sein.

Wie fühlt sich das an? Da ist ... zum Kopf gehört zum Beispiel die Nase, damit haben wir uns schon eine ganze Menge beschäftigt. Dann sind da die Augen, die eine bestimmte Größe haben, ein bestimmtes Gefühl haben. Zum Beispiel: Wenn wir etwas längere Zeit anstarren, dann werden die Augen heißer. Wie fühlen sie sich denn jetzt grad an? Dann ist da der Kiefer, der mal ziemlich entspannt und manchmal eher angespannt ist. Das merken wir zum Beispiel daran, wie fest die Zähne aufeinander sind.

Und wenn die Aufmerksamkeit da hingeht, können wir merken: Vielleicht will der Kiefer bisschen mehr lockerlassen. Klar!

Dann ist da die Zunge in ihrem Zuhause ... Die kann sich's zum Beispiel gemütlich machen am ... wo immer sie will im Mund,

kann sich da irgendwo hinkuscheln oder ausbreiten, was auch immer ...

Und da sind da die Ohren ...

Und so ist es, im Kopf zu sein. Außenrum schwirren vielleicht paar Gedanken ... So fühlt sich der Kopf an.

Das Herz

Und jetzt lasst uns ein bisschen tiefer sinken mit der Aufmerksamkeit, und zwar in diesen Herzbereich. Da gibt es dieses Organ, das Herz heißt, und dann gibt es diesen ganzen Bereich, den man Herz nennt, der hinterm Brustbein ist, der für die Inder "Herzchakra" heißt und im Qigong auch ein wichtiges Zentrum ist: Herzzentrum ...

Und wir können das beschreiben als eine Energie, die da ist, wie so ein Energieball, und das kann sich so anfühlen, und wir können fühlen: Ist es wirklich ein Ball? Wie fühlt sich das denn an, was da ist? Wie fühle ich mich hier?

Das ist eine Lebendigkeit, die irgendwie sehr verwandt ist mit der im Kopf, aber irgendwie auch anders, zum Beispiel wortlos.

Lasst euch ein bisschen Zeit, einfach da anzukommen ... diese Art von Lebendigkeit zu fühlen, diese warme Intelligenz, die da ist.

Und je mehr wir der Aufmerksamkeit schenken, desto wacher kann sie sich anfühlen.

Wir können fühlen, wie sich diese Energie bewegt im Atem.

Ihr könnt diese Energie fühlen wie .... eine Wurzel des Lebens, um es mal so zu beschreiben.

Eine Wurzel, von der aus ein Stiel oder ein Stamm hochgeht zum Kopf. 


Stellt euch vor, der Kopf ist eine Blüte, die Blüte vom Herzen.

Und diese Blüte kann sich zum Licht zuwenden, wie Blüten das machen, und kann sich auf die Weise leicht anfühlen, weil sie Gewicht ans Herz abgeben kann und sich getragen fühlen kann vom Herzen.

Und wie wäre es, wenn ihr euch vorstellt, dass unsere Ohren einfach nur Öffnungen sind, durch die das Herz hört ... Das Hören ist im Herzen und geht durch die Ohren rein, die sind einfach nur Offenheit, durch die das Herz hört.

Und stellt euch vor – wir werden später die Augen wieder öffnen – stellt euch vor wie das ist, dass die Augen einfach nur Öffnungen sind, durch die das Herz sieht.

Stellt euch vor, dass das Herz das Zentrum vom ganzen Organismus ist.

So wie wir das jetzt beschreiben, ist der ganze Organismus einfach Herz-Energie.

Herz-Energie geht durch die Schultern in die Arme, in die Hände, nach unten ins Becken und in die Beine .... und nach oben eben in den Kopf.

Stellt euch vor: Der Mund, die Lippen, die Zunge ... das sind Organe, durch die das Herz küsst und schmeckt und fühlt.

Stellt euch vor, der Mund ist das Organ, durch das das Herz spricht.

Und die Hände sind das, wodurch das Herz fühlt ... und berührt.

Und achtet darauf, wie das ist, im Herzen zu sein und das zu erlauben, was da ist, im Herzen.

Das ist ein Bereich, der oft automatisch beschützt wird.

Unsere Gedanken wollen ganz oft das beschützen, und es ist aber manchmal so, dass wir uns dadurch dieses Erleben vorenthalten. Dass wir zum Beispiel nach außen kippen, mit der Aufmerksamkeit ganz im Außen sind statt das Außen vom Herzen her zu erleben.

Und es kann sein, dass wir merken: Das haben wir wirklich vermisst, auch da zu sein. Das ist etwas, das wir uns vielleicht vorenthalten, ein Ort, der so zart und so stark gleichzeitig ist.

Und so viel in uns war darauf ausgerichtet, das zu beschützen und da Strategien zu entwickeln, dass das Herz das kriegt, was es will – und was es will ist, dass wir da sind. Was es will ist, dass wir frei sind zu fühlen, was in uns vor sich geht.

Stellt euch vor, wie das ist: Die Augen sind Öffnungen für das Herz wie die Ohren Öffnungen fürs Herz sind; da ist einfach eine Offenheit, die schaut.

Und dann öffnet die Augen und lasst das rein, was ins Herz kommt.

Und lasst jetzt das, was um euch herum aufgetaucht ist, auch im Herzen sein. 
Wir sehen durchs Herz. Was wir sehen, ist im Herzen; was wir hören, ist hier.

 
 

Text der geführten Meditation: Bauch-Erleben

 

Lasst uns noch ein bisschen tiefer gehen ...

Wir hatten das Thema "So ist es vom Herzen aus zu erleben"; davor hatten wir "So ist es  vom Kopf, so ist es vom Herzen" ...

Lasst uns mit der Aufmerksamkeit tiefer sinken, in den Beckenbereich ... oder Nabel, irgendwie so zwischen Nabel und Becken ... wo sich das so anfühlt, als wäre das ein schöner, interessanter Ort.

Bei den Chinesen heißt das Dan Tien und ist auch ein Zentrum. Im Tai Chi, Qigong und diesen ganzen Sachen ist das die Quelle der Lebenskraft, und das ist ein sehr ... wortloser Ort, sehr ruhig auf seine Art, und ihr könnt vielleicht eure Hand da hinlegen oder Hände, um das zu spüren, da ist eine Bewegung beim Atmen, und das ist auch spürbar im Rücken ... Stellt euch vor, dass wir von aus atmen.

Und stellt euch vor, dass wir von dort aus nach oben schauen können auf unser Herz, über uns ist unser Herz.

Das ist der Ort, von dem das Herz mit Kraft versorgt wird.

Wenn wir weiter nach oben schauen, sehen wir da oben den Kopf und die Gedanken, die da oben rumschwirren wie ...

vielleicht wie Vögel ...

Und stellt euch vor, dass ihr eine Wasserpflanze seid, und ihr seid verwurzelt im Becken, da ist der Meeresgrund oder der Seengrund, da sind wir verwurzelt. Die Beine sind tiefere Wurzeln.

Stellt euch vor, dass da eine leichte Strömung ist im Wasser.  

Die Strömung bewegt uns und trägt uns, die Erde versorgt uns, und das ist ein Ort, von dem aus wir leben in dieser Strömung.

Ihr könnt euch vorstellen, dass alles um euch herum in dieser Strömung lebt. 
Nicht alles macht dieselben Bewegungen, aber alles ist in derselben Strömung.

Stellt euch vor, die Welt von da aus zu erleben; das ist euer Anker im Jetzt. Diese wortlose wache Lebendigkeit.

Und stellt euch vor, vom Herzen aus runter zu fühlen zu dieser wortlosen wachen Lebendigkeit und sich getragen zu fühlen,

versorgt zu fühlen. Und lasst das Wissen, dieses gefühlte Wissen, zum Kopf hin, als eine mögliche Ausrichtung.

Als eine Verwurzelung, als ein Anker im Jetzt.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Gedanken sich oft verlaufen. Und das ist das Zuhause.

Das ist, wo sie eigentlich hinwollen mit all ihren Umwegen und Strategien und Vorsichtsmaßnahmen.

Und all diese Experimente, die wir euch vorgeschlagen haben, und alles, was euch einfällt an Experimenten, führt hierhin zurück, zu diesem Jetzt, was jenseits von Gedanken ist. Was vor den Gedanken ist, was nach den Gedanken ist, was da ist.

Diese wortlose Lebendigkeit, die wir sind.

Und denkt an jemanden, mit dem ihr das erleben möchtet. Einfach aus Freude, um das mit demjenigen zu teilen, oder vielleicht auch: "Whoa, das ist jemand, der mich eher davon abgelenkt hat bisher" ...

Denn wenn ihr das fühlt und sich das gut und stimmig anfühlt, dann wird der Organismus Gelegenheiten suchen, sich so zu fühlen. Denkt an solche Gelegenheiten in der Zukunft!

Nicht als Strategie, was ihr dann damit machen können oder sowas, sondern einfach als als eine Gelegenheit, wirklich ganz da zu sein und wirklich ganz wach zu sein.

Und dann kommt bitte  mit den Augen auch wieder zu uns ...

Nehmt das, uns zu sehen, als eine Gelegenheit, bei diesen Zentren zu sein. 

Wir sind mit den Augen bei den anderen, wir können das vom Herzen aus sehen, wir können uns vom Bauch aus fühlen,

und dann können wir schauen – das kann ein Maßstab sein: Was bringt uns weg davon?

Mein Hauptverdächtiger sind Gedanken. Und das ist nur eine Ablenkung. Das heißt nicht, dass diese Lebendigkeit nicht da ist, so wie unser Atem die ganze Zeit da ist, so wie unser Gleichgewichtssinn die ganze Zeit da ist.

Und wenn wir dem Aufmerksamkeit schenken, dann fühlt es sich lebendig und klar an, und dann ist das einfach eine schöne Ausrichtung auf das Erleben jetzt, weil – wie wir am Anfang gesagt haben: "Früher und später" und diese ganzen Sachen sind halt Gedanken, die die Aufmerksamkeit woanders hinziehen.

Das kann sinnvoll sein, um etwas zu planen oder um was zu entscheiden und so weiter, aber der Rest von uns, unser Herz, unser Bauch, unser Organismus ist die ganze Zeit im Jetzt.

Und das ist, wo wir ihn hin wollen, aber wo wir denken, wir brauchen jetzt irgendwie noch eine Erlaubnis von jemandem oder  eine Extra-Einladung oder was auch immer ... oder bestimmte Umstände, um da zu sein, wo unser Herz und unser Bauch ist.